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Geschichte der Monacensia

Zur Geschichte der Monacensia-Bibliothek 1921
veranlasste der damalige Stadtbibliotheksdirektor Prof. Hans Ludwig
Held, der Büchersammlung der Städtischen Kollegien - wie die
Stadtbibliothek seinerzeit hieß - sämtliche Bücher zum Thema München zu
entnehmen. Die Städtischen Referate, beispielsweise das Baureferat,
oder auch das Stadtmuseum mussten ihren Bestand an München-Büchern
abliefern. Diese ausgewählten Bände bildeten den Grundstock der
Monacensia-Sammlung, die seitdem als eigenständige Abteilung der
Münchner Stadtbibliothek besteht. Ihr Sammlungsbereich umfasst alles an
Gedrucktem zum Thema München und Region.
Der Name
"Monacensia" (latinisierte Form zu München) wurde bereits in den
Anfangsjahren geprägt. Der damals erstellte Katalog umfasste 5 000
Bände. Heute besitzt die Bibliothek rund 130 000 Bände.
Die Monacensia-Bibliothek war seit ihrem Bestehen in verschiedenen Domizilen innerhalb der Stadt untergebracht: 1921
bis 1931 in einem Zimmer im Neuen Rathaus, danach im Gebäude der Alten
Polizei an der Weinstraße. Während des Zweiten Weltkrieges konnten fast
alle Bestände in Pfarrhöfe, Klöster und Schlösser verlagert und somit
gerettet werden. Die Kriegsverluste betrugen nur 158 Bücher, leider
jedoch 1 468 Zeitungsbände, darunter die Gesamtausgabe des Bayerischen
Kurier. Nach Kriegsende wurde die Bibliothek provisorisch im Palais
Aremberg in der Mandlstraße in Schwabing untergebracht, von 1949-1953
in der Pschorr-Villa in der Möhlstraße 23, und von 1954-1977 in der
Mathildenstraße 1. Seit Herbst 1977 befindet sich die Monacensia im
Hildebrandhaus. Der Lese- und der Katalogsaal wurden im ehemaligen
Atelier Adolf von Hildebrands eingerichtet.
Geschichte des Literaturarchivs 1924
gründete Hans Ludwig Held (1885-1954) die Handschriftenabteilung der
Monacensia. Dank seiner umfassenden Beziehungen zu der literarischen
Welt konnte er innerhalb kurzer Zeit 6696 literarische
Originalmanuskripte und Autographen aller bedeutender Schriftsteller
des Münchner und oberbayerischen Raums zusammentragen. So erhielt er
unter vielen anderen Manuskripten berühmter Schriftsteller zum Beispiel
das einzige Drama von Thomas Mann "Fiorenza" mit dessen Zeichnungen für
das Bühnenbild.
In der NS-Zeit wurde Hans Ludwig Held
gezwungen, seinen Posten zu verlassen. Im Mai 1945 kehrte er auf seinen
alten Posten zurück, nun auch als Kulturbeauftragter der
Landeshauptstadt, als der er rastlos am Wiederaufbau des Münchner
Kulturlebens wirkte. Evakuiert in niederbayerische Klöster und
Pfarrhäuser überstand die ganze Handschriften-Sammlung den Krieg. 1977
in Handschriftenabteilung und 1994 in Literaturarchiv der Monacensia
umbenannt , erlebte sie eine neue Blüte. Große literarische Nachlässe
wie die von Erika und Klaus Mann, Frank Wedekind, Ludwig Thoma, Ludwig
Ganghofer, Josef Ruederer, Max Halbe, Annette Kolb, Franziska Gräfin zu
Reventlow, Gustav Meyrink, Otto Julius Bierbaum, Michael Georg Conrad
und viele mehr kamen in das Literaturarchiv, das mehrmals umzog,
zunächst von der Möhlstraße in die Mathildenstraße und von dort 1977
ins Hildebrandhaus in die Maria-Theresia-Straße, derzeitige und
schönste Adresse.
Geschichte des Hildebrandhauses
1898 bis 1921 Adolf von Hildebrand Der Name Hildebrandhaus
geht auf den Bildhauer und Kunsttheoretiker Adolf von Hildebrand (1847-1921)
zurück, der 1891 von der Stadt München den Auftrag erhielt, zur Feier der eben
fertiggestellten neuen Münchner Wasserleitungen den Wittelsbacher Brunnen am
heutigen Lenbachplatz zu erbauen. Monumentale öffentliche Aufträge durften in
der Prinzregentenzeit nur an ortsansässige Künstler vergeben werden. So
verlagerte Adolf von Hildebrand seinen Hauptwohnsitz von seiner Wahlheimat
Florenz in die Haupt- und Residenzstadt München. Der Umzug lohnte sich. Große
Folgeaufträge festigten seinen Ruhm als neuer Münchner Künstlerfürst. Die
Stadt, höchst interessiert daran, ein Anziehungspunkt für Künstler aller
Sparten zu sein, bot jede Unterstützung und stellte das Grundstück am
Bogenhausener Isarhochufer zur Verfügung. Die Pläne für sein repräsentatives
Wohn- und Atelierhaus entwarf Hildebrand selbst, der Architekt Gabriel von
Seidl übernahm die Ausführung, und 1898 konnte das Haus von Adolf von
Hildebrand, seiner Frau Irene und den sechs Kindern bezogen werden. Adolf
von Hildebrand und seine Frau Irene machten das Haus zu einem wichtigen Ort des
kulturellen Lebens. Zu den Gästen des weltoffenen Salon zähltenunter anderem die Schriftstellerinnen Annette Kolb und Isolde Kurz, der
Reformpädagoge Georg Kerschensteiner, der Kunsthistoriker Heinrich Wölfflin,
Cosima Wagner, der Philosoph Ludwig Curtius und der Dirigent Wilhelm
Furtwängler sowie Kronprinz Rupprecht aus dem Hause Wittelsbach und seine Frau
Gabriele von Bayern.
1921 bis 1933 Dietrich von Hildebrand 1921 starben Adolf von Hildebrand und seine Frau
Irene. Sie vermachten das Haus zu gleichen Teilen ihrem einzigen Sohn Dietrich und ihrer Tochter Irene, die mit Theodor Georgii, einem Meisterschüler ihres Vaters, verheiratet war. Dietrich von Hildebrand, Philosoph und Theologe, führte die Tradition des intellektuellen Salons weiter. Als entschiedener Gegner und langjähriger Kritiker der Nationalsozialisten musste er nach Hitlers
Machtergreifung Deutschland verlassen. Die Familie sah sich aus finanziellen Gründen
gezwungen, das Haus zu verkaufen. Dietrich von Hildebrand emigrierte 1933 nach Wien; 1938 ging die Flucht weiter über die Tschechoslowakei, in die Schweiz, dann über Fraunkreich, Dakar, Rio de Janeiro nach New York. Dort wurde er zum Professor an der Jesuiten-Hochschule Fordham ernannt. 1977 starb Dietrich von Hildebrand in La Rochelle, upstate New York.
1934 bis 1941 Elisabeth Braun Neue Besitzerin wurde Elisabeth
Braun, geboren 1887 in München. Die Tochter einer alteingesessenen wohlhabenden jüdischen Münchner Kaufmannsfamilie und ausgebildete Lehrerin konvertierte 1920 zur Evangelisch-Lutherischen Kirche. Als sie das Haus 1934 kaufte, behielt sie zunächst ihren Wohnsitz in Tegernsee, ihre Stiefmutter Rosa Braun bezog eine geräumige 6-Zimmer-Wohnung im ersten Stock des Hauses. 1936 zog auch Elisabeth Braun dort ein, Grund waren wohl die Verfolgungs- und Diskriminierungsmaßnahmen des NS-Regiemes, die sie bewogen, in die Stadt zu ziehen. Von 1937 bis 1941 gewährte sie in ihrem Haus 15 verfolgten Mitbürgern Obdach. 1939 erhielt Elisabeth Braun erstmals von der "Arisierungsstelle" die Aufforderung, ihr Haus zu verkaufen, wogegen sie sich bis zuletzt wehrte. Elisabeth Braun wurde am 15. November 1941 zusammen mit 1000 Münchner Juden nach Kaunas (Litauen) deportiert und ermordet. Ihr Vermögen wurde 1941
durch die Gestapo eingezogen. In ihrem Testament bestimmte Elisabeth
Braun die Evangelisch-Lutherische Landeskirche zur Alleinerbin.
Über die Lebensgeschichte von Elisabeth Braun war bis vor wenigen Jahren so gut wie nichts
bekannt. Erste Recherchen gehen auf Pfarrer i.R. Ernst Ludwig Schmidt und Klaus
Bäumler, Vorsitzender Bezirksausschus3 Maxvorstadt zurück.
Die neuesten Forschungsergebnisse zur Geschichte des
Hildebrandhauses und dem Schicksal seiner Bewohner liegen jetzt als Buch in der
"edition monacensia" im Allitera Verlag München vor. > Informationen zum Buch
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81675 München
Tel.: 089-41 94 72 0
Fax: 089-41 94 72 50
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