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Von der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek zur Public Library

Die Zentralbibliothek Am Gasteig ist eine der wenigen deutschen Bibliotheken in kommunaler Trägerschaft, die über umfangreiche historische Sammlungen verfügen. Das Kombinationsmodell eines modernen, öffentlichen Medienzentrums und einer qualitativ hochwertigen Informationsbibliothek mit archivarischem Auftrag ist im anglo-amerikanischen Raum weit verbreitet. Diese Public Libraries sind daher heute Vorbild für die Münchner Bibliothek, die aus einer Wissenschaftlichen Stadtbibliothek entstand. |
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1923

Hans Ludwig Held, der für Münchens Kultur und seine Bibliotheken ein bis heute tragfähiges Konzept geschaffen hat, kann als Gründer der Zentralbibliothek angesehen werden. Er legt 1923 einen Plan zum Ausbau der Städtischen Bibliotheken vor: Neben der Reorganisation der verwaltungsorientierten Magistratsbibliothek im Rathaus wird mit dem Aufbau einer wissenschaftlichen Stadtbibliothek im Sinne einer allgemeinen Studien- und Bildungsbibliothek begonnen.
1926 Die "Musikalische Volksbibliothek" - heute die Musikbibliothek der Zentralbibliothek - wird den Städtischen Bibliotheken zugeordnet. Sie ging aus der Privatsammlung des Musikschriftstellers und Kulturphilosophen Paul Marsop hervor, der sie bereits 1902 der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt hatte.
1931 Mit der Übereignung der Literaturbestände des Münchner Briefmarken-Clubs sowie durch verschiedene private Schenkungen wird der Grundstock für eine philatelistische Spezialbibliothek gelegt - heute in der Zentralbibliothek mit etwa 43.000 Bänden die größte Europas.
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1932

Die räumliche Situation der Bibliothek im Rathaus spitzt sich dramatisch zu. Die überfüllten Notmagazine zeigen Risse an den Wänden; über den nachgebenden Fußböden stürzen die Regale unter ihrer schweren Last zusammen. Der Umzug in das alte Polizeigebäude in der Weinstraße 13 zieht sich bis ins folgende Jahr hin. Zu diesem Zeitpunkt besitzt die Bibliothek 170.000 Bände, darunter viele Geschenke und Stiftungen. Zu diesen ehemaligen Privatsammlungen gehören die des Historikers Siegmund Riezler, die Bestände der alten Leihbücherei Lindauer, des bayerischen Kunstgewerbevereins, des Pädagogen Kerschensteiner u.v.a. Im Rathaus verbleiben nur noch die für die Stadtverwaltung wichtigen Buchbestände, die als juristische Abteilung einen neuen Status erhalten. Mit diesem Schritt ist eine neue Dimension in der Geschichte einer allen Bevölkerungsgruppen offen stehenden, großen Stadtbibliothek mit neuen und älteren Beständen erreicht.
1933 Von den Nationalsozialisten von Beginn an in seiner Arbeit behindert, wird Hans Ludwig Held zum 27.10.1933 auf Grund des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" aus städtischen Diensten entlassen.
1935 Die "Bibliothek des Stadtrats" wird offiziell in "Stadtbibliothek" umbenannt.
1936 Weitere wichtige Sammlungen werden in die Wissenschaftliche Stadtbibliothek integriert, u.a. die Bibliotheken des Lehrervereins, der Altkatholischen Gemeinde, des Stadtdolmetschers Professor Lex und eine Jean-Paul-Sammlung. Aus den Volksbibliotheken fließen zahlreiche Bände "verbotenen und unerwünschten Schrifttums" in die Stadtbibliothek, wo sie vor der angeordneten Vernichtung bewahrt werden können, 1944 und 1945 allerdings zu großen Teilen durch Bomben zerstört werden.
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1943 - 1945

Teile der Literaturbestände werden in Ausweichquartiere, überwiegend in Niederbayern, verlagert. Erstmals am 18.3.1944 schwer getroffen, fallen am 17.12.1944 und am 7.1.1945 die nicht ausgelagerten Buchbestände in der Weinstraße 13 den Luftangriffen zum Opfer.
1945 Unmittelbar nach dem Krieg und dem Ende des Nationalsozialismus beginnt unter schwersten Bedingungen der Wiederaufbau der Münchner Städtischen Bibliotheken. Im Mai nimmt Hans Ludwig Held seine Arbeit als Bibliotheksdirektor erneut auf und wird wenig später zum Kulturbeauftragten der Stadt München berufen. Bereits im Oktober 1945 können sieben Volksbibliotheken sowie die Straßenbahnbücherei wieder eröffnet werden. Vorangegangen war - auf Anweisung der Militärregierung - die Entfernung des nationalsozialistischen und militaristischen Schrifttums aus den Beständen. Es wurde zu wissenschaftlichen, historiographischen Zwecken in der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek archiviert.
1946 Die Kriegsverluste der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek beziffern sich auf rund 100.000 Bände, etwa 40 % des Bestandes. Als erste Abteilung nimmt am 2.1.1946 die Juristische Bibliothek als Amtsbibliothek im Rathaus den Betrieb auf. Ab September erfolgt die Rückführung der ausgelagerten Buchbestände. Im November nimmt die Musikbibliothek (ohne festes Dach) den Notbetrieb auf. |
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1950

Nach einer langen Wanderung der Bestände durch viele Notquartiere kann endlich auch die Zentralbibliothek in der Infanteriestraße eröffnet werden.
1954 Hans Ludwig Held stirbt ein Jahr nach seiner Pensionierung. Seine Privatbibliothek mit 25.000 Bänden hat er der Stadtbibliothek vermacht. Sie zählt heute zu den wertvollsten und singulären Sammlungen der Zentralbibliothek.
1967 Der Schriftsteller Carl Amery wird neuer Bibliotheksdirektor. Auf Initiative Amerys gibt der Stadtrat den Auftrag, einen neuen Münchner "Bibliotheksentwicklungsplan" in Angriff zu nehmen, in dem sich laut Amery in einer "Realutopie" Sachverstand und Phantasie kreuzen sollen.
1969 Die lang gehegte Idee für ein großes Münchner Bildungszentrum gewinnt an Boden. Für die Wissenschaftliche Stadtbibliothek, die Direktion, die Verwaltung und die Zentralen Dienste aller städtischen Bibliotheken wird ein Raum- und Funktionsprogramm entwickelt.
1976 Der Stadtrat beschließt die Errichtung eines gemeinsamen Kulturzentrums für die Stadtbibliothek, die Münchner Philharmoniker, das Richard-Strauss-Konservatorium und die Münchner Volkshochschule im Stadtteil Haidhausen, "Am Gasteig". Acht Jahre wird die bauliche Realisation dieses für Haidhausen zunächst nicht unumstrittenen Projektes dauern.
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1984

Ende Mai kann die Stadtbibliothek als erstes Institut das neue Kulturzentrum Am Gasteig beziehen. Unter einem Dach vereinigt finden sich nun die allgemeine Wissenschaftliche Stadtbibliothek, in der seit 1978 eine große Freihandbibliothek aufgebaut worden ist, die Musikbibliothek, die Philatelistische Abteilung sowie die früher in der Wörthschule befindliche Kinder- und Jugendbibliothek in Haidhausen. Die Stadtteilbibliothek Haidhausen wird zu großen Teilen in den Freihandbestand integriert. Unterirdisch sorgen vier konservatorisch optimierte und auf Zuwachs von 40 Jahren konzipierte Magazinebenen für die Archivierung der Literaturbestände. Das qualitativ und quantitativ herausragende Angebot (jetzt 852.000 Bücher, Noten, Tonträger und Videos) wird von der Bevölkerung so gut angenommen, dass bereits im September 1986 die millionste Besucherin begrüßt werden kann. |
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1993

Das 150-jährige Jubiläum der Münchner Stadtbibliothek wird gefeiert. Die Zentralbibliothek Am Gasteig erzielt in diesem Jahr 2,4 Mio. Entleihungen bei einem Bestand von 1,047 Mio. Medien und zählt ca. 616.000 Besuche.
2003 Mit einem neuen OPAC, einem neuen PC-Pool, einem zentralen Servicebereich für Zeitungen und Zeitschriften und einer vollkommen neu gestalteten Kinder- und Jugendbibliothek vollzieht die Zentralbibliothek als Medienzentrum einen entscheidenden Schritt in die Zukunft. Der Online-Katalog ermöglicht jetzt eine sehr komfortable Bestellung aus den historischen Magazinbeständen, die in nur 20 Minuten bereitgestellt werden. Die Zentralbibliothek macht sich den Maßstab einer Public Library zum Programm für das kommende Jahrzehnt. |
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2006

Mit der Einführung von
Selbstverbuchung mittels RFID für Ausleihe und Rückgabe
startet das europaweit größte RFID- Projekt in der
Bibliotheksbranche.
Die Investition in eine
Zukunftstechnologie ist gleichzeitig eine entscheidende
Serviceverbesserung für die Kunden: Die Wartezeiten werden
kürzer und die Medien können in der Zentralbibliothek auch
außerhalb der Öffnungszeit zurückgegeben werden.
2007
Als eine von vier deutschen
Bibliotheken schließt sich die Münchner Stadtbibliothek
dem Projekt "Virtuelle Bibliothek" an. Im Start-Paket werden rund
8.000 elektronische Medien zum Ausleihen per Download angeboten.
Ab Oktober ist die Zentralbibliothek
50 Stunden pro Woche an allen Wochentagen einschließlich
Samstag geöffnet.
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Am Gasteig
Rosenheimer Str. 5
81667 München
Tel.: 089/48098-3313
Fax: 089/48098-3344
> Mail
Öffnungszeiten:
Mo - Fr 10.00 - 19.00
Sa 11.00 - 16.00
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