Café am Hafen von Marseille Quelle: Jörg Bundschuh

Exil am Mittelmeer. Deutsche Schriftsteller in Südfrankreich 1933 bis 1941.

Eine Ausstellung der Monacensia im Hildebrandhaus

12.05.2005 bis 18.11.2005
    Veranstaltungsort: Monacensia im Hildebrandhaus

    Ein kleiner Fischerort an der Côte d’Azur ist zum Symbol für ein ganzes Kapitel deutscher Literaturgeschichte geworden: Sanary-sur-Mer. In den Jahren zwischen 1933 und 1941 lebten dort zeitweilig oder dauerhaft Lion Feuchtwanger, Franz Werfel, Thomas Mann, René Schickele, Ludwig Marcuse. Und nahezu alle Schriftsteller*innen, die nach Frankreich emigriert waren, kamen zu Besuch. Heinrich Mann wohnte unweit von Sanary in Nizza, eine Zeit lang sogar unter einem Dach mit Joseph Roth und Hermann Kesten. Annette Kolb traf sich hier mit dem Verleger Kurt Wolff, Klaus Mann besuchte sie alle, um mit ihnen über Veröffentlichungen in seiner Exilzeitschrift „Die Sammlung“ zu verhandeln und selbst zu schreiben. „Es war ein ganz reiches geistiges Leben“, erinnerte sich Alfred Kantorowicz später, das gleichwohl ständig von der Angst um Deutschland und durch die materielle Not der weniger bekannten Autor*innen überschattet wurde. Die anfänglich relativ freundliche Aufnahme der Emigranten durch die Franzosen änderte sich schlagartig, als die deutsche Armee Nordfrankreich besetzte. Alle „feindlichen Ausländer“ wurden interniert; die meisten waren durch Ausbürgerung inzwischen staatenlos geworden. Es begann ein verzweifelter Kampf um Pässe, Ausreisepapiere, Schiffspassagen, Transit- und Einreisevisa nach Amerika, China, Kuba oder sonst wohin. Um aus Frankreich herauszukommen, flüchteten viele bei Nacht und Nebel heimlich zu Fuß über die Pyrenäen, so Heinrich Mann, der vormals in Frankreich hochgeschätzte Doyen der politischen Hitlerfeinde, der zusammen mit Alma und Franz Werfel über die Berge entkam, ebenso wie Lion und Marta Feuchtwanger und viele andere. Walter Benjamin nahm sich an der spanischen Grenze das Leben.

    Die Ausstellung dokumentiert die Lebens- und Arbeitsbedingungen der deutschen Schriftsteller*innen im südfranzösischen Exil. Das Material stammt zum Großteil aus dem Literaturarchiv der Monacensia, das mit den Nachlässen von Klaus und Erika Mann, Annette Kolb, Alfred Neumann und Hermann Kesten eine Fülle von Briefen und Dokumenten zum Thema bewahrt, die zum Teil bisher unveröffentlicht sind.

    Veranstalter: Monacensia
    Idee und Projektleitung: Dr. Elisabeth Tworek, Leiterin der Monacensia
    Kuratoren: Ulrike Voswinckel und Frank Berninger
    Gestaltung: Nicola Piening, Tobias Wittenborn
    Koordination, Presse: Sylvia Schütz

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