Mary Wigman am Lago Maggiore Quelle: Münchner Stadtbibliothek/Monacensia

Freie Liebe und Anarchie. Schwabing - Monte Verità. Entwürfe gegen das etablierte Leben.

Eine Ausstellung der Monacensia im Hildebrandhaus

01.07.2009 bis 13.12.2009
    Veranstaltungsort: Monacensia im Hildebrandhaus

    "... es hieß einfach Schuhe ausziehen, Damen Korsette weg, tiefe Kniebeugen, Gehen. Laufen ..."
    Rudolf von Laban

    Der Monte Verità – der „Berg der Wahrheit“, am oberen Lago Maggiore im Schweizer Tessin unweit von Ascona gelegen, war zu Anfang des 20. Jahrhunderts ein bekannter Begriff in Schwabing – eine Legende, ein Gerücht, eine Verheißung, ein Ort, der die Phantasie beflügelte und ganz real ein Ziel war für alle Arten von Aussteigern, Zivilisationsflüchtigen, der Stadt und des Staates Überdrüssigen. Kaum ein anderer Ort hat so viele neue Lebensentwürfe inspiriert wie der Monte Verità.

    Die komplexe Wechselwirkung zwischen den Kraftfeldern Schwabing und Monte Verità begann schon damit, dass die Gründer des „Berges der Wahrheit“ in München zusammen kamen: Ida Hofmann, Henri Oedenkoven, Carl und Gustav Gräser, Jenny Hofmann und Lotte Hattemer gehörten zu einer Gruppe von jungen Leuten, die den gemeinsamen Aufbruch in ein ganz anderes Leben wagten. Das Ziel war eine gesunde naturnahe Lebensweise und die Befreiung von etablierten Normen. Gewalt- und Herrschaftslosigkeit war schon von Beginn an ein Thema, ebenso wie Vegetarismus und die Abwendung von kirchlichen Vorschriften. Bilder von Licht- und Luftbädern, nackten Gartenarbeitern und radikalen Höhlenbewohnern, von barfüßigen „Naturmenschen“ mit Bart und langen Haaren kamen sehr bald in Schwabing an, ebenso wie die Kunde von freier Liebe und selbstbestimmten Frauen.

    Der Revolutionär Erich Mühsam und der Psychoanalytiker Otto Gross erschienen 1905 in der Schwabinger Caféhausszene, nachdem sie die alternativen Siedlungen in Ascona besucht hatten. Der Schriftsteller Oskar Maria Graf und der Maler Georg Schrimpf kehrten 1912 dem harten Münchner Arbeiterleben den Rücken und fuhren ins Tessin in der liberalen Schweiz, wo sie dem russischen Anarchisten Fürst Kropotkin begegneten. Die „Gräfin von Schwabing“, Franziska zu Reventlow kam 1910 nach Ascona und schrieb dort ihre wichtigsten Bücher. Der Tänzer und Choreograf Rudolf von Laban, der eine Tanzschule in München betrieb, erarbeitete am Monte Verità zusammen mit Mary Wigman die Grundlagen des modernen Ausdruckstanzes. Es folgten viele Schriftsteller*innen und Künstler*innen, darunter Hermann Hesse, Emmy Hennings und Hugo Ball. Die Malerin Marianne von Werefkin kam 1918 und blieb bis zu ihrem Lebensende.

    Die Ausstellung basiert größtenteils auf Dokumenten aus dem Literaturarchiv der Monacensia. Hier befindet sich ein großer Teil der nachgelassenen Werke von Gusto Gräser, Franziska zu Reventlow, Oskar Maria Graf, Hans Brandenburg, vor allem dessen großartiges Fotoalbum der Laban-Tänzerinnen am Lago Maggiore, und von Erika Mann, die mit ihrer „Pfeffermühle“ im Schweizer Exil auch nach Ascona kam.

    Verantwortlich: Dr. Elisabeth Tworek, Leiterin der Monacensia
    Kuratorin: Ulrike Voswinckel
    Ausstellungsgestaltung: Katharina Kuhlmann
    Koordination und Pressearbeit: Sylvia Schütz, Monacensia
    Veranstalter: Monacensia. Literaturarchiv und Bibliothek

    Mit finanzieller Unterstützung des Schweizerischen Generalkonsulats, des Kulturreferats und der Gleichstellungsstelle für Frauen der Landeshauptstadt München.

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