Jürgen Eggebrecht, Berlin 1931 Quelle: Münchner Stadtbibliothek/Monacensia

"In der Zukunft war ich schon". Leben für die Literatur. Jürgen Eggebrecht 1898-1982.

Eine Ausstellung der Monacensia im Hildebrandhaus

24.03.2010 bis 18.06.2010
    Veranstaltungsort: Monacensia im Hildebrandhaus

    "Bücher? Was denn, Sie lesen keine Bücher? Aber dann sind Sie ja ein ganz armer Mensch, dann nehmen Sie ja gar nicht am inneren, dem eigentlichen Leben unserer Zeit teil ..."
    Jürgen Eggebrecht

    Walter Jens nannte ihn einen „Mäzen unter lauter Funkgeldverwaltern“, Hermann Kesten verglich ihn mit den „venezianischen Improvisatoren des 18. Jahrhunderts“ und Günter Eich lobte seine Lyrik, die „fast mit Hinterlist“ ihre Modernität verbirgt. Jürgen Eggebrecht (1898 – 1982) war gleichermaßen als Schriftsteller, Lyriker und Rundfunkredakteur eine herausragende Persönlichkeit. Sein Talent zur Freundschaft brachte den gebürtigen Altmärker schon im München der zwanziger Jahre mit Klaus Mann, W.E. Süskind und Ringelnatz zusammen. Wenige Jahre später lernte er in Berlin, wo er bei der Deutschen Verlagsanstalt als Lektor tätig war, Günter Eich und Peter Suhrkamp kennen. Sie bleiben ein Leben lang Freunde.

    Während des Krieges war Jürgen Eggebrecht für das Buchpapierkontingent der Wehrmacht verantwortlich. Viele Millionen Bücher wurden ins Feld geschickt, darunter so ein unheroischer Klassiker wie Franz Grillparzers „Der arme Spielmann“ oder Ernst Penzoldts Erzählung „Korporal Mombour“.

    Nach dem Krieg, als er im Hannover der fünfziger Jahre die Abteilung des Kulturellen Wortes im NWDR, später NDR, leitete, war er für seine vielen literarischen Freunde, zu denen auch Ilse Aichinger und Ingeborg Bachmann zählten, ein wichtiger Ratgeber und Förderer. Ein Hirntumor zwang ihn 1959 aus dem Funk auszuscheiden. Ab den sechziger Jahren lebte Eggebrecht bis zu seinem Tod 1982 in München. Und auch hier nahm er am literarischen Leben teil, traf sich regelmäßig mit stadtbekannten Schriftstellern wie dem Ehepaar Oda Schaefer und Horst Lange. Zu seinen Lebzeiten sind ein Roman und vier Lyrikbände, zwei davon im Suhrkamp Verlag, erschienen. Gegen Ende seines Lebens wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

    Die Ausstellung nähert sich dem Leben und Werk von Jürgen Eggebrecht, der sein Leben der Literatur widmete. Sie basiert auf Briefen, Fotos und Rundfunksendungen aus dem Nachlass von Jürgen Eggebrecht, den die Monacensia 2009 erwarb. Ergänzt werden die Originale durch Dokumente aus den Nachlässen von Oda Schaefer, Hermann Kesten und Georg Schneider, die ebenfalls im Literaturarchiv der Monacensia betreut werden. Zusammen erzählen sie eine faszinierende Geschichte der bundesrepublikanischen Literatur.

    Verantwortlich und Projektleitung: Dr. Elisabeth Tworek, Leiterin der Monacensia
    Ausstellungskurator: Dr. Florian Welle, Literaturwissenschaftler und Journalist
    Ausstellungsgestaltung: Katharina Kuhlmann
    Koordination, Presse- und Öffentlichkeit: Sylvia Schütz, Monacensia

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