Jörg Hube (c) Thomas Dashuber

Mein Kopf ist eine Bombe. Jörg Hube. Ein Künstlerleben.

Eine Ausstellung der Monacensia im Hildebrandhaus

08.12.2011 bis 08.06.2012
    Veranstaltungsort: Monacensia im Hildebrandhaus

    "Der Herzkasperl ist ein Anarchist, einer der keine Bomben schmeißt, sondern dessen Kopf eine Bombe ist."
    Jörg Hube

    Jörg Hube – die Freiheit der Gedanken, der Phantasie war ein großes Thema in seinem Leben. Unangepasst, unkonventionell, ein bayerischer Don Quijote in rostiger Rüstung, ein Revoluzzer, wenn es gegen festgefressene Strukturen ging. Ein Eigenbrötler und Einzelkämpfer, der sein Leben lang mit Konventionen im Konflikt stand. Schulzeugnisse beschreiben ihn als jähzornig, als einen, der sich weder in eine Klassengemeinschaft einordnen, noch sich Vorschriften unterordnen kann. Vor allem, wenn sie ihm "unsinnig" erschienen, konnte er explodieren. Er war ein Anarchist, ein Dickschädel, eine "Tretmine", wie ihn sein Kollege Werner Schneyder einmal nannte. Ein Zweifler, ein Moralist, hoch empfindsam, zurückhaltend und polternd zugleich.

    Sein umfangreicher Nachlass, eine Fundgrube aus Zetteln, unzähligen Briefen, Schulaufsätzen, Kinderzeichnungen, Kritzeleien, Manuskripten, Bildern, Notizen über die Auseinandersetzung mit der "Obrigkeit", den Hierarchien im künstlerischen Bereich und im praktischen Leben, belegt all diese Eigenschaften. Am pointiertesten zeigt sich das in seinen fünf Herzkasperl-Programmen. Wenn er etwas angenommen hatte, eine Rolle, einen Sprechertext, dann floss dabei Herzblut, und nicht zu wenig. Immer full power, immer mit ganzem Herzen. Dass dabei oft die Fetzen flogen, ist selbstverständlich.

    1943 in Neuruppin in der Mark Brandenburg geboren, wuchs Jörg Hube in München auf. Seine Theaterlaufbahn ist mit dieser Stadt eng verknüpft. Von 1973 bis Ende der 1990er Jahre gehörte er fast durchgehend zum Ensemble der Münchner Kammerspiele, 2001 wechselte er mit Intendant Dieter Dorn an das Bayerische Staatsschauspiel. Er unterrichtete an der Otto Falckenberg-Schule, die er 1991 bis 1993 leitete. Große Popularität gewann Jörg Hube durch Fernsehserien für den Bayerischen Rundfunk wie "Die Löwengrube". Mit Regisseuren wie Edgar Reitz, Klaus Emmerich, Michael Verhoeven, Joseph Vilsmaier oder Matthias Kiefersauer drehte er zahlreiche Kino- und Fernsehfilme. Seine Paraderolle war der "Herzkasperl", eine Figur, die er 1975 zusammen mit seiner Frau Elisabeth Fanderl entwickelte.

    Die Ausstellung öffnet einen Blick auf das große Werk und das Leben von Jörg Hube. Größtenteils basiert sie auf Dokumenten aus dem künstlerischen Nachlass von Jörg Hube, den die Monacensia als Schenkung von den Erben des im Juni 2009 verstorbenen Künstlers erhalten hat.

    Verantwortlich und Projektleitung: Dr. Elisabeth Tworek, Leiterin der Monacensia
    Kuratorin: Eva Demmelhuber
    Mitarbeit, Presse- und Öffentlichkeit: Sylvia Schütz, Monacensia
    Ausstellungsgestaltung: Katharina Kuhlmann, Durchschrift
    Veranstalter: Monacensia.Literaturarchiv und Bibliothek

    Unser besonderer Dank gilt:
    Elisabeth Fanderl und Johanna Fanderl
    Deutsches Theatermuseum München, Münchner Stadtmuseum

    Für die Bereitstellung von Bildmaterial:
    Oda Sternberg, Hannelore Voigt, Thomas Dashuber, Edgar Reitz, Wolfgang Marquart

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