Sich fügen heißt lügen. Der Schriftsteller und Anarchist Erich Mühsam

Eine Ausstellung der Monacensia im Hildebrandhaus

13.06.2003 bis 17.10.2003
    Veranstaltungsort: Monacensia im Hildebrandhaus

    Zum 125. Geburtstag von Erich Mühsam

    Erich Mühsam lebte für seine Ideale. Als Anarchist und Revoluzzer begehrte er gegen die Macht der Staatsgewalt auf, stritt für die sozial Benachteiligten und suchte nach neuen Wegen des menschlichen Zusammenseins. Als Schriftsteller, Dichter, Bohemien und Bürgerschreck verfasste er ebenso Streitschriften wie frivole Verse und suchte sich vom starren Korsett bürgerlicher Konventionen frei zu machen. „Sich fügen heißt lügen“ lautet der Refrain eines Gedichtes, das Erich Mühsam während seiner Festungshaft schrieb, zu der ihn das Münchner Standgericht nach Niederschlagung der bayerischen Räterepublik verurteilte. Dieser Satz könnte auch als Motto seines gesamten Lebens stehen, ein Motto, dem er bis zu seiner brutalen Ermordung im KZ Oranienburg treu geblieben ist.

    Erich Mühsam, 1878 in Berlin geboren, entstammte einer jüdischen Familie, verbrachte seine Kindheit und Jugend in Lübeck und besuchte, wie Heinrich und Thomas Mann, das Gymnasium Katharineum. Seit 1900 lebte Mühsam als freier Schriftsteller und Publizist zunächst in Berlin, 1909 kam er nach München, wo er zur zentralen Figur der Schwabinger Bohème wurde. Zu seinem Münchner Freundes- und Bekanntenkreis zählten u.a. Frank Wedekind, Emmy Hennings, Heinrich Mann und Franziska Gräfin zu Reventlow. An der Seite von Ernst Toller und Gustav Landauer gehörte Erich Mühsam zu den führenden Köpfen der Münchner Räterepublik.

    Zum ersten Mal widmet die Stadt München Erich Mühsam eine Ausstellung. Mit zahlreichen Fotos und Dokumenten, seltenen und teilweise neu entdeckten Handschriften sowie mit Erstausgaben seiner Werke gewährt sie einen Blick auf die Persönlichkeit dieses unbeugsamen Idealisten, dessen Mut und innere Autonomie auch heute noch beeindrucken. Seine Sozialutopien haben wie selbstverständlich unsere Denk- und Umgangsweisen beeinflusst, wie etwa die Ideen der freien Liebe, der Unantastbarkeit der menschlichen Würde und der sozialen Gerechtigkeit.

    Eine Ausstellungsübernahme aus dem Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum Lübeck und der Erich-Mühsam-Gesellschaft Lübeck.

    Konzept: Marlies Fritzen, Lübeck

     

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