Queeres Literaturfestival München
Und jetzt Queer! Chancen und Hürden eines Lesens "Jenseits der Norm". Stationenlesung mit Marlon Brand
09.11.2026 , 17.00 - 18.30 Uhr
Eintritt frei
Veranstaltungsort: Katalysator, 2. Obergeschoss
Wer von einem „queeren Kanon“ spricht, handelt sich Widersprüche ein. Etymologisch leitet sich das Wort „Kanon“ nämlich aus dem Altgriechischen her, wo es ‚Richtschnur‘ oder ‚Regel‘; ursprünglich sogar ‚Rohrstab‘, ‚gerade Stange‘ oder ‚Lineal‘ bedeutet. Als „Queer“ hingegen pflegen wir gerade das zu bezeichnen, was nicht „straight“ ist, also von der (heterosexuellen, cisgeschlechtlichen, monogamen etc.) Regel abweicht, die unsere Gesellschaft bis heute bestimmt. Schließen diese beiden Begriffe einander also nicht aus? Was bleibt vom kritischen Potential und der Nicht-Normativität queerer Autor*innen und Texte übrig, wenn sie in einen Katalog aufgenommen werden, der ganz buchstäblich beansprucht, alte Normen zu bewahren und neue zu definieren? Oder ist der Kanon immer schon queerer, als er auf den ersten Blick erscheinen mag?
Bianca-Maria Braunshofer, Tobi Schiller und Marlon Brand greifen in ihrem Buch Und jetzt queer! Lesen jenseits der Norm (2026) nicht nur diese theoretischen Fragen auf, sondern bieten den Leser:innen auch praxisorientierte Perspektiven auf den Einsatz queerer Literatur im Schulunterricht, ein großes Glossar sowie zahlreiche Lektüreempfehlungen von der Antike bis zur Gegenwart.
Marlon Brand wird das Publikum nicht nur zwischen den Seiten von Und jetzt queer! entlang-, sondern auch auf eine Spurensuche zwischen den Regalen der Münchner Stadtbibliothek führen. Die Stationenlesung wird durch ein Gespräch zwischen Marlon Brand und Maciej Bakinowski (Kuration QLFM) über das Verhältnis von Kanon und Zensur gerahmt. Denn dass Kanonisierungsprozesse untrennbar mit Macht- sowie Autoritätsfragen zusammenhängen und politisch stark umkämpft sind, sollte nicht nur am Beispiel US-amerikanischer „book bans“, sondern auch in einem spezifisch deutschen Kontext genaustens beobachtet und analysiert werden.
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Marlon Brand studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft in Bochum. 2017 gründete er den Blog Books are gay as fuck, der mit seinem breiten Portfolio differenzierter Artikel und Rezensionen längst zu den Hauptschauplätzen queerer Literaturvermittlung im deutschsprachigen Raum gehört. Seit 2021 gibt er mit Tobi Schiller das Newsletter-Magazin „Queerer Kanon?“ heraus. Gemeinsam mit Bianca-Maria Braunshofer haben sie ihre Expertise in den Bereichen Literaturvermittlung, Sozialpädagogik und queere Archivarbeit zum Buch Und jetzt queer. Lesen jenseits der Norm gebündelt, das 2026 bei Leykam erschien.
Informationen zur Anmeldung
Ohne Anmeldung
Kooperationspartner
Queer Culture e.V.
