ENDLICH GESCHICHTE!

Die Geschichten aus der großen Stadt auf dem Weg ins Archiv

24.11.2023
19.00 Uhr
Zwei Personen von hinten mit Regenschirmen. Zu sehen sind nur die Beine und Unterkörper. Die Frau links trägt schwarze transparente Feinstrumpfhosen und einen blauen Knielangen Regenmantel. Der Mann rechts trägt einen hellgrauen Annorak und schwarze Hosen. Im Hintergrund die Fenster mit grünen Fensterläden einer Villa. Copyright: Friedrich Buhl
Geschichten aus der großen Stadt Foto: Friedrich Buhl
  • wichtig!
Eintritt frei

Beim einmaligen Erinnerungsabend an die Münchner Lesereihe lesen Lion Christ, Katja Huber, Fabienne Imlinger und Feridun Zaimoglu kurze Texte – eigene und die der früheren Gäste Clemens Meyer, Heike Geißler, Kathrin Röggla sowie von Heiner Link.
Dazu gibt’s Anekdoten von damals, Bilder, Fanzines und einen Büchertisch von Buch & Töne.

Moderation: Tina Rausch & Georg M. Oswald
Musik: Andreas Neumeister
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„Ich laufe bei Rot über die Lindwurmstraße und drehe mit Vollgas auf die Müllerstraße zu. Da hupt mich aus dem Nichts einer an, du, kein Schmarrn, so ein klappriger Karren. Na dann reg dich halt auf, Erna! Ich bin längst hundert Meter weiter, mich hält keiner mehr auf, und ein Glanz liegt auf mir.“ - Lion Christ

Lion Christ, 1994 in Bad Tölz geboren, studierte in München an der Hochschule für Fernsehen und Film sowie Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, wo er zurzeit lebt. Er war unter anderem Finalist beim Open Mike und bei der BR-Puls-Lesereihe. Für einen Auszug aus seinem Debütroman „Sauhund“ (Hanser) erhielt er 2021 das Literaturstipendium der Landeshauptstadt München.

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„Moosach war wirklich, München nur ein Gerücht. Wer ein Fremdwort sprach, hurte mit den Lippen, dem gab man was auf den Mund, dass er wieder deutsch und inländisch wurde. Nur Rentner, Witwer und Witwenschüttler trugen einen Siegelring. Nur Bürgersöhnchen trugen die speckige Krachlederne, wir nannten sie Kniehösler, wir waren die Knöchelhösler, wir trugen lang.“ - Feridun Zaimoglu

Feridun Zaimoglu, 1964 im anatolischen Bolu geboren, verbrachte seine Kindheit im Münchner Stadtteil Moosach, seine Jugend in Bonn und in Bad Godesberg. Er studierte Kunst und Humanmedizin in Kiel, wo er heute lebt. Sein literarischer Durchbruch gelang ihm 1995 mit seinem Buch „Kanak Sprak“. Seitdem veröffentlicht er vielfach ausgezeichnete Romane, er verfasst Theaterstücke, Drehbücher und schreibt für Zeitungen. 2019 erschien sein multiperspektivisches feministisches Manifest „Die Geschichte der Frau“ und zuletzt 2022 der Roman „Bewältigung“ (alle Kiepenheuer & Witsch), in dem eine Recherchereise nach Hitler einen Autor unter anderem zu den Bayreuther Festspiele, auf den Obersalzberg und nach München führt.

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„Allianz Arena//Du Alliterations-Angeberin/ Du eitel leuchtender Rautenwahnsinn/ Du gebrandetes Kind/ Du Kategorie eins bis fünf am Arsch des Bayernfans/ mach mal Spielpause/ halt die Sitzklappe/ und genieß die Aussicht!“ - Katja Huber

Katja Huber, 1971 in Weilheim geboren, studierte Slawische Philologie und Politische Wissenschaften und lebt mit ihrer Familie in München. Seit 1998 journalistische und literarische Hörfunkarbeit als Autorin, Reporterin, Redakteurin und Dramaturgin, mit mehrjährigen Stationen beim ZÜNDFUNK, radiofeature und Hörspiel. Sie verfasste und veröffentlichte bisher Hörspiele, Prosa in zahlreichen Anthologien, ein Theaterstück und die Romane „Fernwärme“ (2005) und „Reise nach Njetowa“ (2007) im P. Kirchheim Verlag sowie „Coney Island“ (2012), „Nach New York! Nach New York!“ (2014) und „Unterm Nussbaum“ (2018) im Secession Verlag. Ihr Roman „Ich bin sprachlos, also lache ich“, erscheint 2024 im Secession Verlag.

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„Ich habe die Rasierklinge verpasst. Ich sehe einfach nur einen jungen Typen, dem das Blut aus dem Gesicht tropft. Obwohl, es tropft nicht, es rinnt, plätschert geradezu auf das weiße Blatt, auf dem sich schon eine beeindruckende Pfütze gebildet hat. Der Typ wirkt aufgebracht. Er wackelt heftig mit dem Kopf und vergießt sein Blut. Es sieht ziemlich engagiert aus. Wäre er eine Frau, ich hätte womöglich hysterisch gedacht." - Fabienne Imlinger

Fabienne Imlinger, 1980 in Salzburg geboren, ist Autorin und Literaturwissenschaftlerin. Zusammen mit Martina Kübler betreibt sie den Buchpodcast „Ich lese was, was du auch liest“. Sie forschte und lehrte an der LMU München im Bereich der Gender und Postcolonial Studies. Ihr Romanprojekt „Alles über meine Eltern“ wurde 2021 mit dem Literaturstipendium der Landeshauptstadt München ausgezeichnet.

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Diese Veranstaltung ist Teil der Münchner Schiene, die im Rahmen des Literaturfest München 2023 stattfindet.

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