Hildebrandhaus (c) Eva Jünger

Planet Di-Pi: Literatur im Wartesaal

Öffentlicher Abendvortrag von Alexander Kratochvil (LMU)

17.06.2026 , 19.00 Uhr

Eintritt frei

Freiwilliges oder erzwungenes Exil aufgrund politischer Verfolgung ist kein Phänomen des 20. Jahrhunderts, sondern existiert seit dem Altertum. Die Gründe für Exil und Verbannung sowie die Methoden, unliebsame Personen aus der Öffentlichkeit auszusondern und ihren Einfluss zu unterbinden, ähneln sich auf erschreckende Weise seit über 2000 Jahren - ebenso wie die Probleme der Exilant*innen, die aus ihren soziokulturellen Kontexten (und ökonomischer Absicherung) herausgerissen wurden.

Während des Zweiten Weltkriegs Krieges wurden etwa 5 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer zur Zwangsarbeit ins Deutsche Reich verschleppt. Die meisten gingen nach 1945 mehr oder weniger freiwillig in die Sowjetukraine. Etwa 200 000 Ukrainer*innen weigerten sich aber vehement aus politisch-weltanschaulichen Gründen und natürlich, weil sie wussten, was sie im Stalinistischen Gewaltraum erwartete.

Als Planet Di-Pi (DP–displaced persons) beschrieb der ukrainische Schriftsteller Ulas Samtschuk die Existenz der ukrainischen Intellektuellen, Schriftsteller*innen und Künstler*innen in den DP-Camps der amerikanischen und britischen Besatzungszone zwischen 1945 und 1949/50. Unter den Bewohner*innen dieses „Planeten“ fanden sich zahlreiche brillante Autor*innen, die unter schwierigen materiellen, politischen und auch psychischen Bedingungen eine überraschende Vielzahl literarischer und essayistischer Werke verfassten. Sie gründeten Exilinstitutionen wie Verlage oder Schriftstellervereinigungen „im Wartesaal der Literatur“.

Die Texte, Autor*innen sowie die ästhetischen und institutionellen Kontexte der ukrainischen Exilliteratur in Bayern sind Thema des Vortrags von Prof. habil. Alexander Kratochvil (Slavistik der LMU).

Es begrüßen:

  • Marek Wiechers (Kulturreferent der Stadt München);
  • Dr. Arne Ackermann (Direktor der Münchner Stadtbibliothek)
  • Dr. Jörn Hasenclever und Thomas Stern (KOOP-LITERA Deutschland)

Der Vortag ist die öffentliche Eröffnung der Fachtagung KOOP-LITERA Tagung 2026

Informationen zur Anmeldung

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