Erika Mann Quelle: Münchner Stadtbibliothek/Monacensia

SportsGeist. Dichter in Bewegung

Eine Ausstellung der Monacensia im Hildebrandhaus

29.03.2006 bis 29.09.2006
    Veranstaltungsort: Monacensia im Hildebrandhaus

    "Für Sportler sind Intellektuelle überheblich.
    Für Intellektuelle sind Sportler dumm. Was tun?"
    Günter Herburger

    Wenn Pier Paolo Pasolini eine weite Flanke schlägt, Vicki Baum einen Punchingball bearbeitet, Hermann Hesse seine Abfahrt unterbricht, um sich mit Thomas Mann im Schnee fotografieren zu lassen, und Erika Mann nach einem Autorennen lässig aus dem Sportwagen grüßt, gibt es keine Grenze mehr zwischen der Welt des Sports und der Welt der Literatur und Kunst. Mit Blick auf diese sportbegeisterten Autorinnen und Autoren wächst die Lust, sich von der Faszination des Sports anstecken zu lassen.

    In der Moderne wurde der Sport zu einem Massenphänomen: In seiner Dynamik schien sich ein neues Lebensgefühl zu konzentrieren, er befreite die Körper von einengenden Konventionen und versprach Spannung in spektakulären Wettkämpfen. Der Sport wurde zu einem Kult des Körpers, der von der Mode bis zur Sprache alles durchdrang; und auch Intellektuelle und Schriftsteller*innen ließen sich davon faszinieren und begannen, sich in ihren Texten damit auseinander zu setzen.

    Viele Literat*innern waren selbst begeisterte Sportler. Robert Musil liebte Tennisspielen und Schwimmen, Albert Camus und Vladimir Nabokov waren Fußballtorhüter, Hermann Hesse fuhr ebenso leidenschaftlich gern Ski wie Henry Miller Rennrad und Erika Mann Autorennen. Doch nicht wenige betrachteten den Sport auch kritisch. Denn der „Sportsgeist“, von dem sie selbst beseelt waren, schien den „Geist“ als Orientierungsgröße der Kultur immer mehr abzulösen. Und die Körper- und Bilderwelt des Sports bot immer weniger Raum für ihre eigene größte Passion – die Sprache.

    Die Ausstellung „SportsGeist. Dichter in Bewegung“ versammelt Dokumente dieser Leidenschaft und der intellektuellen Auseinandersetzung mit dem Sport im 20. Jahrhundert. Diese Zeugnisse veranschaulichen die ganze Vielfalt des Sports. Sie sind gruppiert um verschiedene Schauplätze und Mythen – vom Kult der Geschwindigkeit über die einsamen Heldentaten des Alpinismus bis zu den Kämpfen in Stadien und im Sportpalast: Der Sport bringt Dichter in Bewegung, denn er ist elementar für die Erfahrung und das Beschreiben der modernen Welt. Im Zentrum der Ausstellung stehen Fotografien von Schriftstellerinnen und Schriftstellern beim Sport. Zusammen mit Zitaten und Originaldokumenten aus ihren Essays, Gedichten, Romanen und Dramen eröffnet sich so ein neuer Blick auf das Verhältnis von Sport und Geist: „SportsGeist“ als Ansporn und kreative Herausforderung.

    Verantwortlich und Idee: Dr. Elisabeth Tworek, Leiterin der Monacensia
    Projektleitung: Dr. Elisabeth Tworek, Leiterin der Monacensia, Dr. Hans Wißkirchen, Direktor der Kulturstiftung Hansestadt Lübeck
    Veranstalter: Buddenbrookhaus Lübeck und Monacensia München
    Konzept: Dr. Elisabeth Tworek, Dr. Michael Ott, München
    Gestaltung: Nicola Piening, Tobias Wittenborn, München

    Mit freundlicher Unterstützung der Kulturstiftung der Stadtsparkasse München.

    Ein Gemeinschaftsprojekt der Monacensia. Literaturarchiv und Bibliothek München mit dem Buddenbrookhaus, Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum, Lübeck

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